Grafik Stop Fracking OWL

BUND Arbeitskreis Energie
Beschluss des BAK Energie am 3.11.2012

Standpunkt des BUND

Umweltrisiko Erdgas-Fracking verbieten

Der BUND setzt sich für ein Verbot der Erforschung, Aufsuchung unkonventioneller Erdgaslagerstätten und Gewinnung von Erdgas mit der Technik des Hydraulic Fracturing („Fracking”) ein.

Die Gewinnung unkonventionellen Erdgases durch Fracking ist durch nichts gerechtfertigt, da durch diese unbeherrschbare Hochrisikotechnologie der Erhalt unserer Lebensgrundlagen und der grundgesetzlich verbriefte Anspruch der Menschen auf Leben und Gesundheit gefährdet sind. Das unwiederbringliche Zerstören von Teilen der Lithosphäre unseres Planeten und die Gefährdung der Biosphäre führen zur Ablehnung des BUND für diese Art der Energiegewinnung. Der BUND hält die Methode grundsätzlich für unverantwortlich aufgrund der hohen, nicht kontrollierbaren und unumkehrbaren Auswirkungen auf das Grundwasser.

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Das Verfahren des „fracking”

Durch Hydraulic Fracturing („Fracking”) werden sogen. unkonventionelle Erdgasvorkommen in tiefliegenden Gesteinsschichten (hauptsächlich Schiefergas, aber auch Kohleflözgas) erschlossen. Dazu wird eine Bohrung, sobald sie in großer Tiefe die potentiell gasführende Schicht erreicht hat, in die Horizontale umgelenkt. Da das Gas in kompaktem Gestein eingeschlossen ist, muss dieses zerstört werden. Dazu werden in das horizontale Rohr der Bohrung Löcher geschossen, durch die dann große Mengen eines Gemisches aus Wasser, Sand und Chemikalien in das Gestein gepresst werden. Durch den Sand werden die entstandenen Risse freigehalten, das Gas kann austreten. Das Frac-Fluid wird laut Betreiberaussagen nach vollendeter Bohrung abgepumpt. Gängige Praxis ist, dies durch Verpressung in geologischen Hohlräumen zu beseitigen.

Besondere Gefahren und Risiken dieses Verfahrens

Der Frackflüssigkeit werden mehrere wassergefährdende, toxische und auch krebserregende „Hilfs”-Stoffe beigemischt. Undichtigkeiten, Rohrbrüche und Wasserwegsamkeiten können dazu führen, dass die Frackflüssigkeit ins Grundwasser austritt sowie dass Methan ins Grundwasser gelangt, was neben Explosionsgefahren zu Problemen bei der Trinkwasseraufbereitung führt. Potentielle Trinkwasservorkommen wären bedroht. Undichtigkeiten führen zu Gasmigration, d. h. Methan gelangt in die Atmosphäre und verstärkt als Klimagas die Erderwärmung.

Nach dem Frackvorgang wird nicht die gesamte Frackflüssigkeit wieder aus dem Gestein entfernt. Das ist deshalb nicht erwünscht, weil durch die eingepressten Stoffe die Risse im Gestein offen gehalten werden sollen. Gefährliche Chemikalien und/oder Diesel verbleiben also nicht rückholbar im Boden.

Das Verfahren verursacht einen riesigen Bedarf an Wasser, die Rede ist von 4 Millionen Liter pro Frac. Es besteht die Gefahr hydrogeologischer Veränderungen bis an die Oberfläche (→ Bergschäden).

Der Rückstrom der Frackflüssigkeit (Flow back) ist mit Schwermetallen belastet und radioaktiv. Eine risikolose, umweltfreundliche Beseitigung ist nicht möglich. Das gängige Verpressen in geologische Hohlräume ist völlig inakzeptabel ebenso wie die Lagerung oder Versickerung in Lagerbecken.

Die Bohrungen verursachen einen großen Flächenverbrauch. Pro Bohrung werden mindestens 3000m² versiegelte Fläche zuzüglich Nebeneinrichtungen wie Parkplätze, Rohrleitungen, Straßen und Wege benötigt.

Eine Langzeitsicherheit der Bohrungen, auch nach Ende der Förderung, ist nicht gegeben. Tektonische Ereignisse wie z. B. Erdbeben werden über kurz oder lang zu Undichtigkeiten der Bohrungen führen. Es gibt inzwischen ernstzunehmende Hinweise darauf, dass auch durch Fracken Erdbeben verursacht werden können.

Problematisch ist auch die Anlagensicherheit. Der Ausfall eines blow-out-preventers (großes Absperrventil am Bohrloch) könnte wäre für Organismen in 1 km Umkreis tödlich sein.

Das Verfahren wird seit 2005 mittlerweile in riesigem Umfang in den USA durchgeführt und hat dort bereits zu gigantischen Umweltschäden geführt. Unkonventionelles Erdgas hat im Vergleich zu konventionellem Erdgas eine deutlich schlechtere Klima- und Energiebilanz, bedingt durch die energieaufwändige Produktion und entweichendes Methan.

Wachsender Widerstand gegen Fracking

Im Zuge der Bohrungen und Bohrgenehmigungen haben sich in Deutschland vor allem in NRW, aber auch in Niedersachsen und Hessen eine Reihe von Bürgerinitiativen gegen das Verfahren gebildet (5) In NRW, Hessen und Baden-Württemberg wird die Gegenbewegung intensiv durch die dortigen BUND-Landesverbände unterstützt (6).

Auch international wächst der Widerstand, u. a. organisiert durch Friends of the Earth Europe (FoEE), die eine fracking-kritische Studie veröffentlicht haben (4) Im Auftrag des europäischen Parlamentes wurde im Juni 2011 eine umfangreiche fracking-kritische Studie erstellt (3). Empfohlen wird dort aufgrund der Risiken, eine umfassende Neuregelung im Rahmen einer europäischen Richtlinie unter besonderer Berücksichtigung der Wasserrahmenrichtlinie vorzunehmen sowie ein Verbot des Einsatzes toxischer Chemikalien beim Fracking zu bewerten und die öffentliche Beteiligung auch auf Basis von Life-Cycle- Analysen (LCA) verpflichtend vorzuschreiben. Frankreich hat 2011 den Einsatz von Fracking-Techniken untersagt, die Forschungsbohrungen aber im Nachhinein wieder genehmigt.

Aufgrund der wachsenden Kritik wurde in NRW ein Moratorium für alle Fracking-Vorhaben verhängt. Ein im Auftrag des nordrhein-westfälischen Umweltministeriums erstelltes Gutachten bestätigte jetzt die umweltpolitischen Bedenken der Fracking-Gegner (2). Diese werden mittlerweile auch durch das Bundesumweltministerium auf Basis eines aktuellen Gutachtens zum Fracking in Deutschland im Grundsatz geteilt (7) (1) In beiden Gutachten wird insbesondere die lückenhafte Datenlage kritisiert, die eine fundierte Risikoabschätzung für Fracking unmöglich macht. Zudem unterliegen Fracking-Vorhaben nicht der UVP-Pflicht.

Während in NRW als Konsequenz der Gutachten von der Regierung alle Fracking-Aktivitäten bislang kritisch gesehen werden, strebt das Bundesumweltministerium an, durch weitere Untersuchungen in Verbindung mit Probebohrungen Fracking im Grundsatz möglich zu machen und nur in Trinkwasserschutzgebieten u. ä. zu untersagen. Dies ist auch die Linie der niedersächsischen Landesregierung; es wird keine Notwendigkeit für einen generellen Fracking-Stop gesehen.

Der BUND hält Fracking aufgrund der hohen, nicht kontrollierbaren und unumkehrbaren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt, besonders das Grundwasser für unverantwortlich.

Quellenhinweise

(1) BMU/UBA 2012: Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten - Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen
(Kurzfassung Sept. 2012)
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/gutachten_fracking_2012_kurzfassung_bf.pdf

(2) Umweltministerium NRW 2012: Fracking in unkonventionellen Erdgas-Lagerstätten in NRW (Kurzfassung zum Gutachten, Sept. 2012) - „Gutachten mit Risikostudie zur Exploration und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten in Nordrhein-Westfalen (NRW) und deren Auswirkungen auf den Naturhaushalt insbesondere die öffentliche Trinkwasserversorgung”
Auftraggeber: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen; in Abstimmung mit Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen
http://www.umwelt.nrw.de/umwelt/pdf/gutachten_fracking_nrw_2012.pdf

(3) Europaparlament 2011: Auswirkungen der Gewinnung von Schiefergas und Schieferöl auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit; EP GD Interne Politikbereiche/Umweltfragen; Juni 2011
http://www.lbst.de/ressources/docs2011/shale%20gas%20PE%20464%20425%20FINAL%20DE.pdf?language=en&file=42728

(4) Friends of the Earth Europe 2012: Shale gas, Unconventional and unwanted: the case against shale gas; Studie FoEE September 2012
http://www.foeeurope.org/sites/default/files/publications/foee_shale_gas_unconventional_and_unwanted_0.pdf

(5) Gegen Gasbohren 2012: Interessengemeinschaften gegen Umweltschäden beim Gasbohren durch Hydraulic "Fracking";
http://www.gegen-gasbohren.de

(6) BUND NRW 2012: Unkonventionelles Erdgas in NRW, website
http://www.bund-nrw.de/themen_und_projekte/energie_klima/erdgas_fracking/
BUND Hessen 2012
http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/klima_und_energie/erdgas_fracking/
BUND Baden-Württemberg 2012
http://www.bund-bawue.de/fracking
http://www.bund-bawue.de/themen_projekte/klima_und_energie/energiewende/erdgas_fracking/fracking_in_deutschland/

(7) BMU 2012: Fracking nur mit strengen Auflagen zulassen. Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Umweltbundesamtes (UBA) vom 06.09.2012
http://www.bmu.de/pressemitteilungen/aktuelle_pressemitteilungen/pm/49111.php
AGEB 2011: Jahresbericht 2011; Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen 23.01.12
http://www.ag-energiebilanzen.de/?JB2011
BUND 2011: Zukunftsfähige Energiepolitik; BUND-Position 48, Sept. 2011
http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/publikationen/energie/20110922_energie_position.pdf

Beschluss des BUND Arbeitskreis Energie
Kassel, 3. November 2012
Beschlussvorlage Klaus Prietzel
Endredaktion Willy Baitinger
Gez.
Dr. Werner Neumann
Sprecher des Arbeitskreis Energie
21.11.2012

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